Aktuelles im Januar 2014


Fahrt vom Dez.2012
Fahrt vom Dez.2012

Seit mehr als 10 Jahren besteht nun unsere Partnerschaft mit den Salesianern im Südsudan und seit mehr als einem Jahr unterstützen wir eine Schule in dem kleinen Ort Mori, ca. 25 km von der Hauptstadt Juba entfernt. Die aktuelle politische Situation im Südsudan und rund um die Hauptstadt, über die in den letzten Tagen und Wochen auch vermehrt in den Medien berichtet wurde, beunruhigt uns daher umso mehr.

Wir stehen mit den Salesianern vor Ort sowie mit der Don-Bosco-Mission in Bonn in ständigem Kontakt und sind froh zu hören, dass die Ordensleute im Land bleiben und ihrer wichtigen Aufgabe – der Bildung von Kindern und Jugendlichen – weiter nachgehen. Sie kümmern sich um die Ärmsten und ermöglichen vielen den Schulbesuch. Mithilfe unserer Unterstützung werden die laufenden Kosten der Schule finanziert und im letzten Jahr konnten die Salesianer damit den Kindern in Mori auch eine Mahlzeit am Tag im Rahmen der Schulspeisung anbieten.

Aktueller Brief aus dem Südsudan im Anhang ganz unten in deutscher Übersetzung!

Im Dezember 2012 war eine kleine Delegation der Don-Bosco Schule – Bernhard Humpert, Christiane Kastner, Susanne Lörcks und Olaf Ulbrich – zu Besuch bei den Salesianern Don-Boscos im Südsudan. Derzeit versuchen die Salesianer mit großem Engagement bei dem Aufbau eines Schulwesens im Südsudan mitzuwirken. Die Gruppe hat sich auf ihrer Reise unterschiedliche Schulen angesehen und auch zukünftige Projekte vorstellen lassen. Es wurde sich für eine Schule der Salesianer in dem kleinen Ort Mori, ca. 20 km von der Hauptstadt Juba entfernt und am Nil gelegen, entschieden. Die Schule hatte zurzeit des Besuchs 4 Klassenräume für die Klassen 1 – 4. Im Sommer 2013 wurde dort ein neues Gebäude errichtet, sodass in absehbarer Zukunft auch die Klassen 5 – 8 unterrichtet werden können.Waren zur Zeit unseres Besuchs im Dezember 2012 nur Räumlichkeiten für die Klassen 1-4 vorhanden, hat der Orden mit dem Weiterbau der Schule und deren Ausweitung bis Klasse 8 begonnen, sodass mit Beginn des neuen Schuljahres im Februar 2014 eine fünfte Klasse starten kann. Trotz der Unruhen ist dies die feste Absicht der Salesianer.

Hoffen und beten wir, dass die Friedensverhandlungen bald Erfolg haben werden und die Menschen – besonders die Kinder – in einem der ärmsten Länder der Welt nicht durch einen erneuten Bürgerkrieg noch mehr leiden müssen.

Näheres zum Südsudan auch hier!

Mit den finanziellen Mitteln, die in diversen Aktionen und Benefizveranstaltungen gesammelt werden, tragen wir einen großen Teil der notwendigen Kosten, um den laufenden Schulbetrieb aufrecht zu erhalten. Durch unsere Unterstützung konnten die Salesianer den Schülern in Mori auch ein Mittagessen im Rahmen der Schulspeisung anbieten.

Wenn Sie helfen wollen, können Sie die Arbeit gern finanziell unterstützen:
Kontoinhaber: Don Bosco Mission Bonn
IBAN: DE92 3706 0193 0022 3780 15
BIC: GENODED1PAX
Verwendungszweck:
a) MOR 03-066 / Schulpartnerschaft Rostock-Mori oder
b) AFE 13-108 / Nothilfe Suedsudan

Wenn Sie eine Spendenquittung wünschen, geben Sie auf dem Überweisungsträger bitte Ihre vollständige Adresse an.

Anhang: Brief aus dem Südsudan vom Januar 2014:

Liebe Freunde in Rostock,

Grüße von Don Bosco – Juba,

Ich freue mich, von Euch zu hören. Juba hat in den letzten Wochen die schlimmste Gewalt seit dem mehr als 20-jährigen Bürgerkrieg erlebt. Viele Menschen sind gestorben und sind Ziel militärischer Gewalt geworden, nur weil sie zu dieser oder jener Volksgruppe gehört haben.

Es begann am 15. Dezember. Es gab anscheinend einen Streit zwischen den Soldaten der sogenannten Präsidialgarde. Dies beruhte auf Bevorzugungen eines Teils der Garde, die der Volksgruppe des Präsidenten angehört, auf Kosten ihrer Kameraden, die der Volksgruppe des ehemaligen, im Juli letzten Jahres entlassenen Vizepräsidenten angehören. Diese Gruppe widersetzte sich einem Versuch, sie zu entwaffnen, und damit brach die Hölle los. An diesem Abend, etwa um 22.00 Uhr, gab es schwere Schießereien in der Nähe des Präsidentenpalastes und später bei der größten Kaserne hier in Juba, Artilleriefeuer und Maschinengewehre. Sogar Panzer rollten durch die Straßen auf der Jagd nach angeblichen Meuterern.

Am nächsten Tag waren viele Straßen abgesperrt. Niemand hatte Zugang zum Stadtzentrum. Die Angehörigen der Nuer-Volksgruppe (der Volksgruppe, der der ehemalige Vizepräsident angehört) waren verängstigt und viele suchten Zuflucht auf unserem Gelände. Sie haben die ganze Woche in unserer Gemeindekirche geschlafen. Schließlich verschlechterte sich die Situation weiter und wir mussten die Menschen zur UN-Basis transportieren. Sie können dort besser geschützt werden, weil selbst die wenigen Polizisten, die normalerweise nachts unser Gelände bewachen, an die Front geschickt wurden, um gegen die desertierten Soldaten der SPLA (das ist die Armee des Südsudan) zu kämpfen.

Auch die Straße nach Mori war geschlossen. Niemand konnte dorthin fahren. Glücklicherweise hatten wir vorher einige Lebensmittel in unserer dortigen Schule gelagert, denn eigentlich hatten wir vorgehabt, dort ein einmonatiges Programm mit den Kindern zu durchzuführen. Da die Kinder an unserer Schule völlig verängstigt waren, wurden sie zu ihrer Sicherheit nach Korokoro gebracht, denn auf dieser kleinen Insel im Nil ist eine Kaserne, die immer mit Soldaten der Regierungsarmee besetzt ist. Seitdem befinden sich die Kinder dort. Wenn wir sie besuchen, müssen wir mit einem Paddelboot über den Nil auf die Insel fahren. Aber es geht ihnen dort gut. Wir werden ihnen in Kürze noch mehr Lebensmittel dorthin bringen können. Ab und zu können wir uns mit älteren Einwohnern von Mori in der dortigen Kirche treffen und von ihnen in Erfahrung bringen, wie die Situation ist. Wir fahren auch weiterhin sonntags dorthin und halten die Messe, es sei denn, dass uns wegen der unsicheren Lage ausdrücklich davon abgeraten wird.

Im Moment haben wir auch Flüchtlinge in unseren Schulräumen in Gumbo/Juba aufgenommen. Die meisten von ihnen sind aus ihrer Heimat vor den Kämpfen in Bor, Bentiu und Malakal geflohen. Die meisten sind Frauen und Kinder. Sie sind tagelang gelaufen, um uns zu erreichen. Manche der Kinder sind Waisen und sehr viele von ihnen sind krank. Auch schwangere Frauen sind darunter. Es ist für uns hier eine sehr belastende und bewegende Situation.

In vielen ländlichen Gebieten im Südsudan sind die Menschen in den Busch geflohen und müssen dort unter äußerst schlechten Bedingungen ausharren, oft ohne Decken, Wasser, Nahrung und Toiletten. Sie fliehen vor den Kämpfen zwischen Regierungstruppen und Rebellen. Die Kämpfe haben viele Konflikte angeheizt, die schon seit ewig langer Zeit zwischen bestimmten Volksgruppen bestehen. Sie jagen sich gegenseitig und schaffen es nicht, friedlich nebeneinander zu leben. Alte Wunden sind jetzt wieder weit aufgerissen und wir können nicht einschätzen, wie lange dieser Konflikt dauern wird.

Das Volk der Nuer ist feindlich gegenüber dem Volk der Dinka und umgekehrt. Die Kirche und andere Organisationen versuchen, diese Spannungen durch Radioansprachen, Friedensmärsche und anderes aufzulösen. Es laufen auch politische Friedensgespräche in Addis Abeba/Äthiopien, die von der Organisation Ostafrikanischer Staaten vermittelt werden. Das Nachbarland Uganda hat Streitkräfte nach Juba geschickt, um der Regierungsarmee zu helfen, weil es auch innerhalb der Regierungsarmee zu Rebellionen gekommen ist.

Viele Menschen haben das Land verlassen und sind in die alten Flüchtlingslager aus dem Bürgerkrieg in Kenia, Uganda, Äthiopien und im Sudan zurückgegangen. Die im Land Zurückgebliebenen sind dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen.

So sieht es hier im Moment aus! Wir hören immer noch jede Nacht Schießereien und keiner weiß, was genau passiert. Widersprüchliche Informationen von beiden Seiten des Konflikts lassen die Leute hier das Schlimmste erwarten.

Das ist in Kürze, was ich an Informationen mitteilen kann.

Betet für uns und für den Südsudan! Die Menschen hier haben genug gelitten. Sie sind oft genug geflohen. Alles, was sie brauchen, ist ein menschenwürdiges Leben. Und keinen Krieg.

Herzliche Grüße

Antimi





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